Mann schaut auf den See

Ich hab keine Zeit dafür

Jürgen Ferrary
7. Januar 2026

Gestern fragte mich ein Schüler, ob ich in meiner Freizeit ein bestimmtes Online-Spiel spiele, das gerade sehr beliebt ist. Meine Antwort kam schnell: „Dafür habe ich leider keine Zeit.“ Der Junge schaute mich irritiert an – und mir wurde plötzlich klar, was ich da gesagt hatte. Leider keine Zeit? Eigentlich keine besonders kluge Antwort.

Denn wir alle haben genau gleich viel Zeit. Mein Tag hat 24 Stunden. Deiner auch. Es geht also nicht um Zeit an sich, sondern darum, womit wir sie füllen. Zeit ist ein Geschenk Gottes. Ich habe nicht in der Hand, ob ich morgens aufwache oder ob meine Zeit eines Tages abläuft. Aber ich habe in der Hand, was ich mit der mir geschenkten Zeit tue.

Zeit nutzen, genießen, auskosten und gestalten – das klingt logisch und richtig. Im Alltag ist es allerdings alles andere als einfach.

Ein Pastor, den ich sehr schätze, hat mir einmal einen hilfreichen Gedanken mitgegeben: unsere Zeit in Abschnitte einzuteilen und diese bewusst zu betrachten. Seine Einteilung lautet: täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich.

Wenn ich mir unseren Alltag anschaue, wundert mich nicht, wie erschöpft viele Menschen sind. Termine reihen sich aneinander, Kalender sind randvoll. Zeiten zum Runterfahren, Nachdenken oder einfach zum Sein fallen oft hintenüber. Dabei wissen wir eigentlich: Je stressiger unser Leben ist, desto wichtiger werden diese Pausen.

Hier beginnt Verantwortung. Es ist eine aktive Entscheidung, sich täglich Zeit zu nehmen, um Prioritäten zu setzen, sich selbst wahrzunehmen und das Leben bewusst zu gestalten, das Gott uns geschenkt hat. Oder um es mit einem alten Spruch zu sagen: Carpe diem – nutze den Tag.

Wöchentlich erinnert uns Gott selbst an etwas Entscheidendes. Nachdem er die Welt erschaffen hatte, ruhte er am siebten Tag. Und Jesus sagt später sehr klar: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht, nicht der Mensch um des Sabbats willen“ (Markus 2,27).

Warum? Weil Gott uns liebt. Weil er weiß, was uns guttut. Es geht nicht um starre Regeln oder religiösen Druck, sondern um Erholung, Auftanken, Ausrichtung. Ob kleine Pausen im Alltag oder ein bewusster Ruhetag in der Woche – Gott wünscht sich, dass wir zur Ruhe kommen. Gerne auch mit ihm.

Ich bin eher ein spontaner Mensch, meine Frau deutlich strukturierter. Das sorgt nicht immer für Harmonie. Was hilft: regelmäßig innezuhalten und ehrlich auf unsere Zeitgestaltung zu schauen. Zum Beispiel am Ende eines Monats. Was hat Raum bekommen? Was ist zu kurz gekommen? Denn wie wir unsere Zeit nutzen, zeigt unser Herz.

Unsere Zeit verrät, was uns wichtig ist. Sie formt uns – und sie formt unser Umfeld. Wenn ich mir anschaue, womit ich meine Zeit fülle, kann ich bewusst verändern, was mir guttut und was mich innerlich leer zurücklässt.

Gerade jetzt, zu Beginn eines neuen Jahres, ist das eine große Chance. Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus: „Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt: nicht unklug, sondern weise. Macht das Beste aus eurer Zeit“ (Epheser 5,15–16).

Eine ehrliche Bestandsaufnahme hilft, Fokus zu finden. Sie gibt Richtung.

Herausforderung für heute: Frag dich ganz konkret: Wem oder was will ich meine Zeit widmen? So nüchtern es klingt: Schaffe dir einen täglichen, wöchentlichen, monatlichen und jährlichen Rhythmus. Nicht, um dich einzuengen – sondern um deine Lebenszeit bewusst zu gestalten.

Sei gesegnet!

Zeit ist das, was wir am meisten wollen – und am schlechtesten nutzen“ (William Penn).

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